Was macht ein Etikett lebensmittelsicher?

Lebensmittelechte Etiketten sind ein Begriff, an dem kein Nahrungsmittelhersteller vorbei kommt. Der Grund ist naheliegend: Etiketten, die auf Lebensmitteln angebracht werden sollen, müssen nicht nur wichtige Informationen vermitteln, sondern auch eine sichere und ungefährliche Kennzeichnung der Ware gewährleisten.

Doch was macht ein lebensmittelechtes Etikett eigentlich sicher für die Kennzeichnung unserer Nahrung? Und wer bestimmt das überhaupt? Wir haben uns die richtige Lebensmittelkennzeichnung einmal angesehen und verraten Ihnen alles Wichtige zum Thema.

Warum brauchen wir lebensmittelsichere Etiketten?

Nahezu jedes Nahrungsmittel wird auf irgendeine Weise gekennzeichnet, bevor es in den Regalen unseres örtlichen Supermarkts landet. Oft werden hierfür Etiketten verwendet, die entweder auf das Produkt selbst oder auf dessen Verpackung angebracht werden.

Aber nicht jedes Etiketten-Material ist dafür geeignet. Vor allem in der industriellen Kennzeichnung kommen oftmals Etiketten vor, die über die Zeit hinweg geringe Mengen toxischer Substanzen abgeben. Bei bloßem Hautkontakt besteht hier noch keine Gefahr – würden diese Stoffe allerdings in unser Essen gelangen, könnten sie auf Dauer krank machen und ein großes Risiko für Verbraucher darstellen. Aus diesem Grund sind lebensmittelechte Etiketten wichtig, denn sie kennzeichnen unsere Nahrung, ohne giftige Stoffe an diese zu übertragen.

Was bedeutet lebensmittelsicher?

Lebensmittelkennzeichnung im Supermarkt

Lebensmittelsicher bedeutet nichts weiter als „für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen“. Ein lebensmittelechtes Etikett kann also bedenkenlos für die Kennzeichnung von Nahrung verwendet werden, ohne eine Gefahr für die Gesundheit darzustellen. Welches Material zulässig ist, ist davon abhängig, wie groß die Menge der übertragenen schädlichen Stoffe bei Kontakt ist – also wie hoch die sogenannte Migration ist. Hierfür gibt es strenge Migrationsgrenzwerte, die gesetzlich festgeschrieben sind und nicht überschritten werden dürfen.

Doch nicht für jede Situation gelten dieselben Richtwerte. Es wird noch einmal weiter unterschieden zwischen direktem Lebensmittelkontakt und indirektem Lebensmittelkontakt:

Klebt ein Aufkleber direkt auf einem Apfel, muss dieses Label sehr strengen Anforderungen gerecht werden und besonders niedrige Migrationswerte einhalten. Wird das Etikett nur auf einer Verpackung angebracht und kommt nicht zwingend in direkten Kontakt mit der Nahrung, handelt es sich um indirekten Lebensmittelkontakt und die einzuhaltenden Richtwerte sind etwas höher. Lebensmittelecht ist also nicht gleich lebensmittelecht, denn manche Etiketten sind zwar für den indirekten Lebensmittelkontakt geeignet, sollten aber nicht direkt auf Lebensmittel geklebt werden.

Wichtig ist hier auch, dass ein Etikettenmaterial nur für den normalen Gebrauch zugelassen ist. Ein Etikett kann also eine unbedenkliche Kennzeichnung an einem Lebensmittel gewährleisten, bei Kontakt mit starker Hitze in einem Backofen aber trotzdem schädliche Stoffe abgeben. Trotzdem ist es für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen, weil bei normaler Verwendung kein Risiko besteht.

Wer bestimmt, welche Etiketten lebensmittelecht sind?

Welche Migrationsgrenzwerte unbedenklich sind und welche Materialien mit unserer Nahrung in Kontakt kommen können, wird in den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung zusammengefasst. Hier handelt es sich nicht um gesetzliche Normen, sondern um Erkenntnisse der Wissenschaft und Technik, die ständig an gesetzliche Änderungen und Erkenntnisse aus der Forschung angepasst werden. Wichtige, gesetzliche Regelungen, an denen sich solche Empfehlungen orientieren sind die Verordnung 1935/2004/EG und die 10/2011/EU.

Oftmals wird die Unbedenklichkeit von Verpackungsmaterialien und Etiketten auch über die amerikanische Richtlinie FDA 175.105 bewiesen. Hier handelt es sich um einen internationalen Standard, der vor allem für den Export von Nahrung benötigt wird.

Welche Etiketten sind eigentlich lebensmittelecht?

Ein Etikett besteht grundsätzlich aus drei Bestandteilen: Dem Obermaterial, dem Klebstoff und einem Trägermaterial. Für die Lebensmittelverträglichkeit eines Etiketts sind dabei vor allem das Obermaterial und der Klebstoff wichtig. Der Träger dient nur dem Transport des Etiketts vor dem Verkleben und kommt somit normalerweise nicht mit unserer Nahrung in Berührung.

Das Obermaterial

Das Material selbst hat großen Einfluss auf die Unbedenklichkeit eines Etiketts und einige Etikettenmaterialien schließen die Verwendung als lebensmittelechtes Etikett direkt aus.

Papier

Ein beliebtes Material für die Kennzeichnung von Nahrungsmitteln ist beispielsweise Papier, da die Gefahr der Migration von Schadstoffen sehr gering ist. Als organisches Material ist es dabei nicht nur ungefährlich, sondern noch sehr umweltfreundlich. Lebensmittelsichere unbeschichtete Papieretiketten gibt es in zahlreichen Ausführungen und müssen nur mit dem passenden Klebstoff ausgestattet werden. Bei beschichteten Papieren sollten Sie aber auf die Zusammensetzung der Beschichtung achten, da auch hier unverträgliche Substanzen verwendet werden können .

Thermopapier

Auch Thermopapier kann für die Kennzeichnung von Lebensmitteln verwendet werden und ermöglicht eine besonders wirtschaftliche Beschriftung. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Thermoetiketten verwenden oftmals den hormonähnlichen Stoff Bisphenol A (BPA), der seit 2016 auf der Liste der besonders besorgniserregenden Subtanzen steht. Wer hier durch den günstigen Druck von Thermoetiketten Geld sparen möchte, muss also unbedingt auf BPA-freie Thermoetiketten achten.

Kunststoffe

Auch Kunststoffe dürfen für die Kennzeichnung von Lebensmitteln verwendet werden, wenn die vorgeschriebenen Migrationsgrenzwerte nicht überschritten werden. So ist Polypropylen (PP) beispielsweise der meistgenutzte Kunststoff und stellt den Großteil der Lebensmittelverpackungen weltweit. Auch Mikrowellengeschirr und Brotzeitdosen sind meist aus PP und kommen damit automatisch mit unserem Essen in Kontakt. Solange der Recyclinganteil des PP nicht zu hoch ist und keine zusätzlichen Weichmacher hinzugefügt wurden, besteht hier kein Risiko.

Ein weiterer, sehr beliebter Kunststoff in der Nahrungsmittelbranche ist Polyethylen (PE). PE gilt als der umweltfreundlichste Kunststoff, da er in Herstellung und Entsorgung weit weniger umweltbelastend ist als andere Kunststoff-Materialien. Die chemische Zusammensetzung von PE ist so stabil, dass sich kaum Stoffe daraus lösen können, was ihn zur optimalen Lösung für lebensmittelsichere Etiketten macht.

Anders sieht es bei PVC aus – Vinyl (oder auch Polyvinylchlorid) wird bei der Herstellung mit zahlreichen Weichmachern ausgestattet, die aus dem spröden und harten Kunststoff ein flexibles und anschmiegsames Material machen. Was für die Industrie optimal sein mag, disqualifiziert den Kunststoff direkt als Obermaterial für Lebensmitteletiketten. Zu groß ist die Gefahr, dass geringe Mengen des Weichmachers sich lösen und in unsere Nahrung gelangen.

Der Klebstoff

Beim direkten Lebensmittelkontakt kommt besonders dem Klebstoff eine große Bedeutung zu, wenn es um die Unbedenklichkeit eines Etiketts geht. Dabei gibt es allerdings nicht den einen Klebstoff, den jeder Etikettenhersteller verwendet. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Klebstoff-Varianten von verschiedenen Herstellern, die sich leider nicht alle für den Lebensmittelkontakt eignen.

Hier sollten Sie auf die Konformitätserklärungen ihres Etikettenlieferanten achten und nur Etiketten mit Klebstoff verwenden, die auch wirklich den Anforderungen der FDA 175.105 und den Empfehlungen des BfR entsprechen. Ihr Lieferant kann Ihnen sicher verlässliche Informationen über die Konformitäten seiner Ware geben und Ihnen bei der sicheren Kennzeichnung von Lebensmitteln helfen.

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Carolin Steigenberger

Autorin bei Labelfox
Ich bin extrem neugierig und möchte nie auslernen, was mir in meinem Beruf natürlich oft zu Gute kommt. Als Bloggerin für die Kennzeichnungsbranche macht es mir Spaß, scheinbar eintönige Themengebiete und Sachverhalte von immer neuen, spannenden Seiten zu beleuchten.

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Veröffentlicht am 8. Juni 2018 von
Carolin Steigenberger und abgelegt in der
 

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