Palettenkennzeichnung – Oder wie Logistik unsere Welt am Laufen hält

Etiketten für Lager und Logistik

Sie stehen im Supermarkt – und können alles kaufen. Bananen aus Südamerika, Spielzeug aus China, Tomaten aus Holland, die Beispiele sind wortwörtlich grenzenlos. Auch in der Industrie läuft ohne den globalen Handel gar nichts mehr: die Produktion steht ohne die Bauteile der Zulieferfirma aus Frankreich oder dem eigenen Lager still. Worauf ich hinauswill? Logistik ist die Lebensader der Wirtschaft.
Dabei ist eines besonders wichtig: Die eindeutige und unverwechselbare Kennzeichnung des Frachtgutes. Denn was nützt der Transport, wenn am Ende die Paletten vertauscht wurden und Sie statt Ihrer Maschinenteile eine Ladung Labelfox Plüschtiere in den Händen halten? Damit genau dieses Szenario nicht eintritt, sollten Sie Paletten und Ihre Fracht immer ordnungsgemäß kennzeichnen.

Das wie und warum der Palettenkennzeichnung – Lagerhaltung

Holzpaletten sind in der Logistik als Lager- und Transportmittel immer im Einsatz. Um diese Paletten im ständig unübersichtlicher werdenden Logistiksystem wieder zu finden, ist daher das übergeordnete Ziel in den Bereichen Lagerhaltung und Versand eine fachgerechte Kennzeichnung. Wie bewerkstelligen wir das? Natürlich – Sie kennen mich – mit Etiketten. Grob unterscheiden wir zwischen den zwei häufigsten Einsatzzwecken:

  • Markierung im Lager
  • Versandmarkierung

Kennzeichnung am Palettenfuß


Beim Einsatz im Lagersystem ist eine Etikettierung im Fußbereich der Palette üblich. Mit Hilfe eines aufgedruckten Barcodes liefert dieses Label dem Mitarbeiter mit Handscanner, oder einem automatisiertem Lagerhaltungssystem genaue Informationen, zum Beispiel über die Position und Fracht der einzelnen Palette. Da diese Informationen natürlich im Logistiksystem hinterlegt sind, lässt sich jedes Stück Lagergut schnell und effizient verwalten. Hierbei ergibt sich jedoch ein Problem: Der überwiegende Teil der verwendeten Euro/Industriepaletten besteht aus Holz – Gut für die Umwelt, auf den ersten Blick aber eher schlecht für Etiketten.

Holz ist nämlich aufgrund seines faserigen Aufbaus ein schwieriger Haftgrund für die meisten Etiketten. Um dieses Problem zu lösen, gibt es unterschiedliche Ansätze. Einige Anbieter vertreiben Kunststoffklammern, welche um die Klötze der Paletten geclipst und dann beklebt werden. Der Nachteil: es verursacht Mehraufwand und zusätzliche Kosten, da zusätzliche Arbeitsschritte anfallen.

Etiketten für sägeraue Paletten

Eine vorteilhaftere Lösung: Palettenetiketten mit speziellem Klebstoff. Diese können dank des verwendeten Klebestoffes direkt und auch maschinell auf die Klötze/Füße der Paletten angebracht werden. Durch das hier mögliche größere Format sind auch die aufgedruckten Barcodes leichter lesbar und sparen dem Anwender damit Zeit und Nerven. Ein Gabelstaplerfahrer muss beispielsweise zum Scannen seiner Fracht das Fahrzeug nicht verlassen und kann sich auf seine wesentlichen Aufgaben konzentrieren.

Palettenetiketten drucken

Transport- oder Palettenetiketten sind mit allen wesentlichen Informationen schnell selbst bedruckt. Passende Etiketten aus Thermodirekt- oder Thermotransferpapier auf Rolle sind ideal für den Einsatz im Etikettendrucker. So gelingt der Druck einheitlicher Etikettierungen. Der Vorteil von Palettenetiketten aus Thermodirektmaterial ist, dass Sie kein weiteres Verbrauchsmaterial zukaufen und damit günstig drucken. Thermotransferetiketten für Paletten werden dagegen mit einem zusätzlichen Farbband bedruckt – das wiederum sorgt für eine größere Beständigkeit des Aufdrucks. Dieses Druckverfahren kann sich anbieten, wenn Ihre Ware vielleicht auch einen längeren Transportweg vor sich hat.

Versandmarkierung: SSCC, NVE, GLN, GS1 – viele Abkürzungen

Doch was, wenn die Palette nun unser Lager verlässt und auf die weite Reise geht? Bei über 400 Millionen Paletten die allein in Europa (nur Europaletten, andere Palettenformate nicht einmal mitgezählt!) im Umlauf sind, ist es schwer den Überblick zu behalten – oder? Um dieses gewaltige Aufkommen an Frachtstücken zu zähmen, hat die Global Standards One (GS1) bereits in den 90er Jahren den NVE/SSCC Standard eingeführt.
NVE steht hierbei für „Nummer der Versandeinheit“, analog steht „SSCC“ im Englischen für „Serial Shipping Container Code“. Durch diesen 18-stelligen Code kann jedes sich im Transport befindliche Frachtstück eindeutig zugeordnet werden – und das weltweit. Um ihn für Maschinen lesbar zu machen wird dieser Code im GS1-128-Barcode dargestellt.

Aufbau der NVE/SSCC Nummer – Beispiele

ReservezifferGLN-BasisnummerVom Versender vergebene,fortlaufende NummerPrüfziffer
34 0 1 2 3 4 5
7-stellige Basisnummer
0 0 0 0 0 0 0 0 17
34 0 1 2 3 4 5 6
8-stellige Basisnummer
0 0 0 0 0 0 0 13
34 0 1 2 3 4 5 6 7
9-stellige Basisnummer
0 0 0 0 0 0 13

Die NVE/SSC ist ein 18-stelliger, rein numerischer Code. Sie ist folgendermaßen aufgebaut:

  • Reserveziffer: Kann vom Anwender frei vergeben werden.
  • Basisnummer: 7- bis 9-stellige Nummer, die aus der GLN des Anwenders resultiert. Sie gewährleistet die golbale Eindeutigkeit des Codes.
  • Fortlaufende Nummer: je nach Länge der Basisnummer stehen dem Anwender hier 7-9 Stellen zur fortlaufenden Nummerierung seiner Versandeinheiten zur Verfügung
  • Prüfziffer: Die letzte Stelle, die Prüfziffer, wird nach einem Algorithmus von GS1 errechnet, dient zur Verifizierung des Codes.


Diesen Code finden wir auch auf dem Standardlayout der GS1-Versandaufkleber wieder. Die Platzierung und Art dieses Aufklebers hängen von der Art der Güter ab, denn er sollte möglichst weit oben angebracht werden. Dies gewährleistet einen besseren Schutz vor Schäden und eine bessere Lesbarkeit.
Denn hat der Hubwagen die Palette einmal angehoben, ist ein zu tief sitzendes Etikett schwer zu scannen. Die Größe des Etiketts wird von GS1 zwar nicht zwingend vorgeschrieben, aufgrund praktischer Umstände empfiehlt sich jedoch die Verwendung von mindestens A6-bis-A5-formatigen Aufklebern. Dies gewährleistet die Lesbarkeit der Barcodes ohne mit der Lupe arbeiten zu müssen.

Und was genau finden wir auf dem Etikett?

  • Frei formatierbares Feld: Hier empfiehlt es sich natürlich Versender und Empfänger zu notieren
  • Daten-Header: Stellt die in den Barcodes enthaltenen Informationen für Menschen lesbar dar, zum Beispiel Art der Fracht, MHD oder Chargennummern
  • Barcodes mit allen wichtigen Frachtinformationen: GTIN und NVE/SSCC

Fazit? Die korrekte Palettenkennzeichnung ermöglicht volle Kontrolle

Da mir mittlerweile vor lauter Abkürzungen der Kopf raucht und ich befürchte, dass es Ihnen ähnlich ergeht, noch einmal das wesentliche im Kurzformat:
Für eine Kennzeichnung im eigenen Lagersystem eignen sich Palettenetiketten, die gut auf Holz haften. Die Vorteile von Palettenetiketten abschließend im Überblick:

  • Hohe Klebstoffdicke ermöglicht starke Haftung auf strukturierten Untergründen
  • Maximale Lesbarkeit, dank bester Druckqualität im Thermotransferdruck und größerer Formate
  • Ideal für Barcode-Kennzeichnung

Beim Versand von Waren auf Paletten benötigen Sie Versandaufkleber, welche Sie nach GS1 Standard bedrucken sollten. Die Vorteile:

  • Optimale Lesbarkeit der Barcodes dank hoher Druckauflösung
  • Hohe Anfangs- und Endhaftung, denn ein verlorenes Etikett bedeutet potenziell verlorene Fracht

Für alle, die noch tiefer ins Thema GS1 Regelungen einsteigen wollen, oder gleich eine SSCC/NVE Nummer benötigen, empfehle ich einen Blick auf die Homepage der GS1 Deutschland.

Bildnachweis:
© pixabay.com – StockSnap
© Labelfox.com

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Frank Hofmann

Autor bei Labelfox
Als einer der „alten Hasen“ der Branche liegt es mir sehr am Herzen, meinen Lesern stets relevante und aktuelle Informationen rund um die professionelle Kennzeichnung zu liefern. Der Etikettendruck ist mein Steckenpferd und bietet mir für die objektive Berichterstattung täglich neue Spielräume.
Veröffentlicht am 4. März 2019 von
Frank Hofmann und abgelegt in der
Kategorie: Etiketten.
 

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