Seewassertauglichkeit nach BS5609 – Wenn Etiketten in See stechen

Seewassertaugligkeit nach BS5609 Der Transport von Gütern auf dem Seeweg hat einige Vorteile zu bieten: Über das Meer können z.B. Gebiete erschlossen werden, die mit einem LKW oder über den Schienenverkehr alleine nicht zu erreichen wären. Ebenso ist das Verschiffen von Warencontainern oftmals kostengünstiger und umweltschonender als die Nutzung eines Flugzeuges.

Diese Vorteile gelten auch beim Transport von gefährlichen Gütern wie Chemikalien, Pestiziden oder Kraftstoffen. Doch für deren Verschiffung sind einige Sicherheitsstandards und Gesetze zu beachten. Der britische Standard 5609 (kurz BS 5609) ist eine dieser Regelungen.

Was ist der BS 5609?

Der britische Standard 5609 oder Maritime Immersion Label Testing Standard ist eine international anerkannte Regelung zur Kennzeichnung von Gefahrgut, das auf dem Seeweg transportiert werden soll. Das GHS (Globally Harmonized System), in dessen Geltungsbereich die Kennzeichnung von Gefahrgut ebenfalls fällt, teilt dieses in verschiedene Klassen ein und weist jeder Klasse ein bestimmtes Gefahrensymbol zu. Kennzeichnungsstandards sind also durch das GHS genau festgelegt, doch der BS 5609 geht hierbei noch einen Schritt weiter.

Was besagt der BS 5609?

Die Regelung BS 5609 besagt, dass Gefahrgut, welches auf dem Seeweg transportiert werden soll, mit speziellen Etiketten gekennzeichnet werden muss, die nach dieser Norm zertifiziert sind. Dies kann zwar einigen bürokratischer Aufwand bedeuten, hat aber durchaus seine Berechtigung. Stellen Sie sich einmal vor:

Ein großes Containerschiff hat Fässer mit einer giftigen Substanz – einem Pestizid zum Beispiel – an Bord. Es gerät in einen Sturm und einige Fässer fallen ins Meer. Die gefährliche Fracht treibt mehrere Wochen im Wasser, bis sie schließlich am Strand angespült wird. Zwar waren die Fässer einmal gekennzeichnet, doch nach so langer Zeit im Meerwasser ist das Etikett unlesbar oder gar nicht mehr am Fass vorhanden. Die Finder haben Rettungskräfte gerufen. Doch auch sie können nicht mit Gewissheit sagen, um welche Substanz es sich beim Inhalt der Fässer handelt.

Treten beim Öffnen giftige Gase aus? Handelt es sich um eine ätzende Substanz? Wird die Umwelt beim Austritt des Stoffes stark belastet? Welchen Bedingungen kann das Fass ausgesetzt werden und welche Gefahren gehen vom Inhalt der Fracht aus? Nicht zu wissen, womit man es zu tun hat, birgt große Risiken, die durch eine haltbare Kennzeichnung der Fässer nicht aufgekommen wären.

Aus diesem fiktiven Szenario ergibt sich die Faustregel, auf der die BS 5609-Zertifizierung aufgebaut ist.

Die Zertifizierung nach BS 5609

Etiketten, die für den maritimen Transport von Gefahrgut verwendet werden, müssen 3 Monate im Seewasser verbleiben können, ohne dass die Kennzeichnung an Qualität verliert. Ein Etikett, welches das BS 5609 Zertifikat erhalten soll, wird daher in mehreren Testphasen auf seine Beständigkeit hin geprüft.

BS 5609 Testphase 1: Etikettenmaterial und Klebstoff

Der erste Teil der BS 5609-Zertifizierung betrifft das unbedruckte Etikettenmaterial. Getestet werden hierbei die Haltbarkeit des Materials und die Leistung des verwendeten Klebstoffs. Die Etiketten werden auf Herz und Nieren geprüft und dürfen sich, trotz des ständigen Kontaktes mit Salzwasser, starken Temperaturschwankungen und der Einwirkung von UV-Licht, weder ablösen noch ausbleichen oder sonstigen Schaden nehmen. Ist das Material nach der Testdauer von 3 Monaten von solchen Veränderungen betroffen, ist es nicht für den maritimen Gebrauch geeignet und darf nach BS 5609 auch nicht verwendet werden.

BS 5609 Testphase 2: Aufdruck

Der zweite Teil des Zertifikats wird nur durchgeführt, wenn das Material den ersten Test bestanden hat. Dieses Mal wird der Aufdruck auf dem Etikett selbst unter die Lupe genommen. Dieser muss jederzeit lesbar bleiben, um die gefährliche Fracht auch nach heftigen Umwelteinflüssen noch deutlich sichtbar auszuweisen. Das seewassertaugliche Etikett wird nun im Thermotransferverfahren bedruckt und den Bedingungen nach BS 5609 ausgesetzt. Nach 3 Monaten unter Einwirkung von Salzwasser, Temperaturschwankungen und UV-Licht wird das Ergebnis begutachtet. Ist das Druckbild verwischt oder hat sich vom Etikett gelöst, kann das benutzte Thermotransfer-Farbband nicht zertifiziert werden.

Labelfox-Fazit

Das Zertifikat nach BS 5609 muss also für alle verwendeten Materialien beim Etikettendruck erfolgen, um eine sichere Kennzeichnung zu garantieren. Etikettenmaterial, verwendeter Klebstoff und das Thermotransfer-Farbband werden in 2 Testphasen nach BS 5609 eingehend geprüft.

Die ideale Material-Kombination für Etiketten nach BS 5609 setzt sich aus einem besonders widerstandsfähigen Etikett (z.B. Polyerster-Etiketten in Weiß) mit stark haftendem Klebstoff und einem Harz-Farbband zusammen. Beachten Sie diese Richtlinien um Ihr Gefahrgut richtig und gesetzeskonform zu kennzeichnen und informieren Sie sich stets vor der Verwendung Ihrer Etiketten über die Seewasserbeständigkeit nach BS 5609. So sind Sie beim maritimen Transport gefährlicher Güter immer auf der sicheren Seite.

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Carolin Steigenberger

Autorin bei Labelfox
Ich bin extrem neugierig und möchte nie auslernen, was mir in meinem Beruf natürlich oft zu Gute kommt. Als Bloggerin für die Kennzeichnungsbranche macht es mir Spaß, scheinbar eintönige Themengebiete und Sachverhalte von immer neuen, spannenden Seiten zu beleuchten.
Veröffentlicht am 18. September 2015 von
Carolin Steigenberger und abgelegt in der
 

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