Burnout: Ein Fall für den Arbeitsschutz?

Burnout ist ein brandaktuelles Thema und wird mittlerweile sogar als Volkskrankheit bezeichnet. Deshalb fragt Labelfox einmal nach: Ist Burnout auch ein Fall für den Arbeitsschutz?

Zur Klärung dieser Frage, muss zunächst beantwortet werden, was unter Arbeitsschutz und Burnout überhaupt zu verstehen ist. Wie hängen Arbeitsumfeld und Krankheitsbild zusammen und was muss getan werden, um Mitarbeiter zu schützen?

Was bedeutet Arbeitsschutz in der Praxis?

Ziel des Arbeitsschutzes ist es, durch entsprechende »Maßnahmen die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu sichern und zu verbessern.« Zentrale, rechtliche Vorschriften hierfür bilden die §§ 3 – 5 des ArbSchG. Der Arbeitgeber ist demnach verpflichtet, Gefahren im Betrieb auf technisch bedingte Gefährdungen und auf Gefahren, die aus organisatorischen Mängeln und psychosozialen Belastungen resultieren, zu beurteilen. Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit beschäftigen sich mit sicheren Arbeitsbedingungen (= kurzfristige Einwirkung), dem Gesundheitsschutz (langfristige = chronische sowie kurzzeitig auftretende = akute Einwirkung; z. B. Gefahrstoffe, Lärm, psychische Belastungen usw.) und dem personenbezogenen Schutz (z. B. Mutterschutz, Jugendschutz) bei der Arbeit.

  1. Die Verwendung von Gebotszeichen, Gefahrenzeichen, Verbotszeichen, Rettungszeichen, Brandschutzzeichen und Hinweiszeichen sind der erste Schritt zu besseren Arbeitsbedingungen.
  2. Weiterhin ist der Einsatz von Schutzausrüstungen, wie beispielsweise der Gehörschutz, eine Schutzbrille, Sicherheitsschuhe oder entsprechende Handschuhe, von hoher Wichtigkeit.
  3. Im nächsten Schritt führen Sie Unterweisungen durch, die in § 12 ArbSchG geregelt sind. Ein fortwährender Prozess stellt die Dokumentation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes dar. Der Arbeitgeber ist nach § 5 ArbSchG auch verpflichtet, eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen vorzunehmen und Gefährdungen zu analysieren und auszuwerten (Arbeitsschutzdokumentation). Die Maßnahmen sollten dabei immer wieder analysiert, dokumentiert und neu bewertet, sowie in den Arbeitsprozess wieder neu integriert werden.
  4. Anschließend muss ein Arbeitsschutzbeauftragter, der ein Arbeitsschutzmanagementsystem integriert und überwacht, bestimmt werden. Der Arbeitsschutzbeauftragte ermittelt hier das Unfallrisiko, die Gesundheitsgefährdung und deckt Sicherheitsmängel auf. Die gesammelten Daten muss er dann an seinen zuständigen Vorgesetzten weitergeben und sicherstellen, dass Verbesserungen auch tatsächlich umgesetzt werden.

All diese Schritte sind elementare Bausteine in Sachen Arbeitsschutz. Was hier oft außer Acht gelassen wird, sind psychische Fehlbelastungen wie Burnout oder Mobbing.

Ja, »Burnout heißt der moderne Arbeitsunfall«, so lassen es Studien verlauten. Ist-Analysen des Arbeitsschutzes in Deutschland zeigen, Mitarbeiter fühlen sich ausgebrannt, leiden an innerer Kündigung und seien unfähig, ihrer Arbeit nachzugehen. Außerdem fehlte, laut einer Auswertung der Versichertendaten der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), im Jahr 2012, jeder zweite Beschäftigte in Deutschland durchschnittlich 14,2 Tage im Job. Die Ergebnisse zeigen, dass dem Gesundheitsschutz nur sehr wenig Beachtung geschenkt wird. Laut einer Studie der Dekra entsteht der deutschen Wirtschaft durch diese Ausfallzeiten jährlich ein finanzieller Schaden von etwa 43 Mrd. Euro. Es entstehen also hohe Kosten!

Ein in den Betrieb integrierter Gesundheitsschutz kann an dieser Stelle helfen. Denn laut der Felix Burda-Stiftung können die Ausgaben gesenkt werden, wenn ein Unternehmen die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz der eigenen Mitarbeiter sichert und verbessert. Denn dadurch können sich die Fehl- und Krankheitstage verringern, die insgesamt ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen. An dieser Stelle muss jedoch ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden.

Um dieses wichtige Ziel »Gesundheits-Prävention« im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz zu erreichen, ist es unabdingbar, dass sich der Arbeitsschutzverantwortliche auch über Burnout informiert und qualifiziert. Nur so kann er frühzeitig eine Stresserkrankung erkennen und rechtzeitig entsprechende Schritte und Maßnahmen einleiten. Auch im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung sollten potenzielle psychische Fehlbelastungen ermittelt werden. Jedoch gerade bei psychischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Burnout, ist es für die Arbeitsschutzverantwortlichen schwierig, diese zu erkennen. Es stellt sich also die Frage: Welche Arbeitsbedingungen müssen geschaffen werden, um einer Stresserkrankung entgegenzuwirken?Wie kann Burnout erkannt werden und welche Hilfestellungen kann man den Betroffenen anbieten?

Burnout: Krankheitsverlauf, Tipps und Tools zur Früherkennung

Burnout-Schnelltest: Schätzen Sie Ihre Situation anhand eines Sechs-Punkte-Systems ein und finden Sie heraus, ob eine Burnout-Gefährdung vorliegt.

  1. Y-Achse (Aktivität): Wieviel Einwirkung haben Sie in Ihrem Beruf? Vergeben Sie einen Punkt, wenn Sie nur passiv in Ihrem Berufsalltag agieren. Vergeben Sie sechs Punkte, wenn Sie tatkräftig sind und über alles selbst bestimmen können.
  2. X-Achse (Belastung): Wie hoch ist Ihre Belastung im Alltag? Vergeben Sie einen Punkt, wenn Sie nur wenig belastet werden und Ihnen alles leicht von der Hand geht. Vergeben Sie sechs Punkte, wenn die Belastung maximal ist (höher geht nicht mehr) und Sie dieser Belastung nicht mehr standhalten können.

Burnout-Schnelltest

Die Pareto-Formel überdenken und anwenden

Die aufgelisteten Tipps zeigen, dass Perfektionisten vermehrt Burnout-gefährdet sind. Perfektionisten suchen das 100%ige Ergebnis. Deswegen sollte das Paretoprinzip überdacht werden.

Die Pareto-Formel, auch 80:20-Regel genannt, gilt in vielen Lebensbereichen und auch für den Perfektionismus. Die Formel besagt, dass auch wenn unglaublich viel Energie hineingesteckt wird, um das perfekte Ergebnis zu erzielen, das letzte Stück zum Bessersein entscheidende Teile der Lebens- und Arbeitszeit kostet. Mit 20% Ihres Einsatzes erreichen Sie 80% der maximal möglichen Wirkung. Für die noch fehlenden 20%, die noch zum Perfekten fehlen, benötigen Sie dann aber 80% der Zeit und des Aufwandes. Das bedeutet, wenn Sie 80% erreicht haben, kippt das Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis von 1:4 auf 4:1 – das ist eine Versechzehnfachung der notwendigen Energie je Ergebniseinheit. Das Risiko, sich in der Anstrengungszone (letzten 20%) zu bewegen ist viermal wahrscheinlicher als sich in der sinnvollen Zone zu bewegen, in der wir mit wenig Einsatz viel erreichen. Hier ist abzuwägen ob die Zeit und die Anstrengung dem Aufwand gerecht werden.

Zum Abschluss: Burnout in der Paxis – 10 Tipps, um Ihr Burnout-Risiko zu maximieren

  1. Arbeiten Sie so viel und so lange wie irgend möglich – besonders nachts sowie am Wochenende und versuchen Sie möglichst, auch an Feiertagen zu arbeiten.
  2. Beschäftigen Sie sich möglichst viel mit besonders belastenden Fällen und legen Sie sich Ihre Termine so, dass diese am gleichen Tag sind. Vermeiden Sie dabei Pausen und beschäftigen Sie sich dabei so oft es geht mit den Problemen.
  3. Nehmen Sie sich einmal im Jahr Urlaub. Aber auch nur dann, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Nehmen Sie sich im Urlaub Fachliteratur mit, die Sie am Strand und auf der Terrasse lesen – vergessen Sie dabei nicht auf der Arbeit anzurufen, um in Erfahrung zu bringen, ob es dringende Probleme gibt.
  4. Merken Sie sich wie fies die Kollegen und Kunden zu Ihnen sind, wie Sie Ihre Bemühungen untergraben, wie sie Sie erst zu mögen scheinen, um sich dann wegen irgendwelcher Kleinigkeiten gegen Sie zuwenden und Sie damit abzuwerten.
  5. Machen Sie sich von Ihrer Arbeit abhängig. Versuchen Sie es nicht, so etwas wie ein Privatleben aufzubauen.
  6. Leben Sie Ihr Leben ohne Freunde, Partner oder Familie. Sollten Sie zufällig doch eine Familie haben, dann ignorieren Sie diese einfach. Geben Sie sich niemals mit einem normalen Menschen zufrieden, erwarten Sie das Unmögliche und den fehlerlosen Partner oder Mitarbeiter.
  7. Nutzen Sie jede Gelegenheit, Ihren E-Mail-Posteingang zu überprüfen, und versuchen Sie bitte, keine auch noch so unwichtige Mail unbeantwortet zu lassen. Prüfen Sie außerdem mehrmals minütlich, ob Sie eine SMS erreicht hat, und antworten Sie sofort.
  8. Glauben Sie daran, dass Sie jedes Problem lösen können. Egal, um was es sich handelt. Nur Sie können das Problem lösen. Und vergessen Sie nicht: Wenn es keine Fortschritte gibt, dann ist das ganz allein Ihr Fehler. Erlauben Sie sich keine Nachlässigkeiten! Das System verlangt es, und Sie können immer nur sich selbst ändern. Deshalb sollten Sie sich auch nicht den kleinsten Fehler durchgehen lassen. Sollte etwas gut klappen, dann erwarten Sie kein Lob! Sie sind für die Wirtschaft da und nicht umgekehrt!
  9. Geben Sie unter keinen Umständen Geld aus, um die Arbeitsräume schön herzurichten. Warum sollten Sie sich auch den ganzen Tag in einer angenehmen Umgebung aufhalten?
  10. Erhöhen Sie Nebengeräusche, sodass Sie kaum einen klaren Gedanken fassen können.

Und nun sind Sie gefragt! Ist Burnout ein Fall für den Arbeitsschutz?

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Carolin Steigenberger

Autorin bei Labelfox
Ich bin extrem neugierig und möchte nie auslernen, was mir in meinem Beruf natürlich oft zu Gute kommt. Als Bloggerin für die Kennzeichnungsbranche macht es mir Spaß, scheinbar eintönige Themengebiete und Sachverhalte von immer neuen, spannenden Seiten zu beleuchten.
Veröffentlicht am 3. Juli 2013 von
Carolin Steigenberger und abgelegt in der
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